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Wandern mit Kinder in Norwegen - Teil 1

Nedre Leirungsdalen, Jotunheimen National Park
Nedre Leirungsdalen, Jotunheimen National Park
Unser Ferienhaus bei Vågå
Unser Ferienhaus bei Vågå

Ein geniales Ferienhaus war für zwei Wochen unser Basecamp. Gelegen in dem kleinen Ort Vågå in der Nähe von Lom im Oppland. Umgeben von den Nationalparks Rondane, Jotunheimen, Breheimen, Reinheimen, Dalsida, Dovre und Dovrefjell-Sunndalsfjella ist es ein perfekter Ausgangspunkt für Naturliebhaber, Wanderer, Bergsteiger, Trekker, und vieles mehr. Uns war klar das wir in den zwei Wochen nur einen Bruchteil sehen werden und so haben wir uns auf Rondane sowie Jotunheimen konzentriert aber Klassiker in Dalsida und Dovrefjell mitgenommen. 

Wir waren Ende August und Anfang September in diesem Gebiet und das Wetter war für Norwegen zu dieser Jahreszeit sehr gut. Bis auf einen echten Regentag konnten wir alle anderen Tage im Freien verbringen. 


Wissenswertes

Was man beim Wandern in Norwegen beachten sollte

Blick auf Jotunheimen, Valdresflye
Blick auf Jotunheimen, Valdresflye

Es gibt ein paar grundlegende Unterschiede zu den Alpen welche auch unseren Kindern aufgefallen sind:

  • Die Höhe eines Gebietes mag nicht nach viel klingen aber da man soweit im Norden ist sind 1.000 Meter Höhe schon alpin. Ab 1.200 Metern herrschen hochalpine Bedingungen (wie im Bild oben zu sehen ist). Ab 2.000 Meter liegt oft Schnee oder man triff auf Gletscher. Das Wetter ist dementsprechend unberechenbar. Schönwetterausrüstung gibt es in Norwegen keine, dazu später mehr. Ich würde Wandern im Sommer in Norwegen mit Wandern in den Alpen im Frühling und Herbst vergleichen, man muß auf alles gefaßt sein. 
  • Wanderwege in Norwegen gehen gerne gerade den Berg hoch bzw. mit so wenig Kehren wie nur unbedingt nötig. Somit sind Auf- und Abstiege härter als man es den angegeben Daten entnehmen kann. Oft sind Anstiege kurz aber heftig, so auch die Abstiege. Das kostet Kraft und geht in die Knie. 
  • Pfade sind markiert (mit einem roten T) aber je nach Popularität nicht immer einfach zu erkennen. Es gibt auch viele unmarkierte Wege. Zwar ist die Netzabdeckung in Norwegen vorbildhaft jedoch sollte man sich nicht alleine auf sein Handy verlassen. Gute Karten und ein Kompass sollten immer dabei sein. Vorbereitung ist alles, man sollte den geplanten Weg vorher genau recherchieren.
  • Wege sind oft schmal, morastig, rutschig, uneben, voller Steine und Wurzeln und somit nicht immer einfach zu wandern. Die Durchschnittsgeschwindigkeit kann so geringer sein als man gewohnt ist. Bei Regen ist es oft besonders rutschig! 
  • Wanderwege sind in den Farben grün, blau, rot und schwarz markiert. Vom Prinzip her sind die Einteilung ähnlich jener in den Alpen: Grün = Einfach, Blau = Mittelschwer, Rot = Anspruchsvoll, Schwarz = Experten.
    Rote Touren als Beispiel können bis zu 20 km lang sein, überwinden um die 1.000 Höhenmeter, leichtes Klettern mit und ohne Seilversicherung kann nötig werden, Wege sind markiert, Trittsicherheit sowie Ausdauer und Schwindelfreiheit sind vorausgesetzt. Leichte Abweichungen der Angaben nach oben sind eher die Regel als die Ausnahme. 
    Rote Touren können es echt in sich haben und ich würde sie in den Alpen mit leichten Schwarzen oder schweren Roten Touren vergleichen. Auf keinem Fall unterschätzen, rot in Norwegen ist rot und kein Zuckerschlecken. Schwarze Touren sind Experten vorbehalten denn neben den beeindruckenden Zahlen sind sie meistens unmarkiert. 
  • Wie in den Alpen so sollte man auch im hohen Norden immer das Wetter im Auge behalten. Wir haben die Website www.yr.no genutzt welche Vorhersagen für kleinere Gebiete zur Verfügung stellt wie z.B. Gjendesheim und Rondvassbu, zwei Orte die wir besucht haben. Die Vorhersagen waren sehr gut und es gibt auch eine mobile Version für unterwegs. 

Wenn man diese Punkte berücksichtigt dann stehen genialen Abenteuern nichts mehr im Wege.

 

Was in Norwegen in den Rucksack / zur Ausrüstung gehört

Marcel am Romsdalseggen
Marcel am Romsdalseggen

Das Wetter ist unberechenbar und man muß bei jeder Wanderung auf einen Wetterumschwung vorbereitet sein. Auch wenn man bei strahlendem Sonnenschein losgeht kann man nur wenige Zeit später strömendem Regen, Schnee, eisiger Kälte und vor allem alles durchdringendem Wind ausgesetzt sein. 

Das Wetter ist auch lokal sehr unterschiedlich, in einem Tal kann es bewölkt und kalt sein, im anderen sogar die Sonne scheinen. Es it gut sich immer die aktuelle Wettervorhersage des Gebiets anzusehen indem man auch unterwegs ist.

Die Ausrüstung sollte von Qualität sein, am besten immer Sachen einpacken die man kennt, wenn es neu ist vorher testen. Das die Regenjacke undicht ist sollte man nicht auf einer langen Tour herausfinden. Schichten (Zwiebelsystem) ist zu bevorzugen. Schuhe sollten unbedingt eingelaufen sein. 

Was wirklich in den Rucksack gepackt wird hängt etwas vom Wetter beim Abmarsch ab. Immer dabei sein sollte (getragen oder im Rucksack) folgende Ausrüstung:

  • Regenjacke und Regenhose die starkem Regen standhalten können und Windschutz bieten
  • Alpine Wanderhose, Wind- und Wasserabweisend (auf keinem Fall Jeans)
  • Softshell- oder Daunenjacke (echte Daune oder Kunstfüllung je nach Präferenz)
  • T-Shirt und Pullover als extra Schicht
  • Mütze (Ohren sollten geschützt sein) und Sonnenhut bzw. Cape (die Sonne, wenn sie hervorkommt,  kennt keine Gnade).
  • Handschuhe und Schal (z.B. ein Schlauchtuch das auch den Hals schützt) 
  • Wandersocken (am besten Merino Wollgemisch)
  • Hohe feste Wanderschuhe mit Gore-Tex (oder ähnlichem Material), Kategorie B/C oder C, eingetragen 
  • Gut anliegender passender Rucksack der bei Klettereinlagen sicher sitzt plus Rucksackregenschutz
  • Als Reserve extra Wandersocken und T-Shirt
  • Sonnenbrille, Sonnenschutzcreme, Erste Hilfe Set (pro Gruppe), handlicher Wasserfilter (pro Gruppe) 

Noch ein paar Tipps:

  • Man sollte immer genug Wasser dabeihaben. Wir nehmen auf die meisten Touren einen kleinen handlichen Wasserfilter (in unserem Fall ein MSR Trailshot Mikrofilter) mit. Somit können wir bei Bedarf Wasser nachfüllen. Bei kalten Temperaturen kommt schon mal eine Thermos mit.
  • Wir schwören auf Toppits (oder ähnliche) Allzweckbeutel um Sachen im Rucksack trocken zu halten. Extra Kleidung wird so sicher vor Wasser geschützt aber auch die Brieftasche, das Handy, Kartenmaterial, Pausenbrot und Snacks, usw. kommen in solche Beutel. Der Rucksackregenschutz hält nicht lange durch und nach einem heftigen langen Regen sind trockene Sachen einfach unersetzlich. 
  • Ein oder zwei Handtücher sind immer dabei. Bei gutem Wetter lassen wir gerne die Füße im Wasser baumeln. Auch nach starkem Regen ist so ein Handtuch praktisch. 
  • Vor allem für die Kinder haben wir meistens lange Unterwäsche dabei, sicher vor Näße verpackt. Bei einem Kälteeinbruch ist es vor allem wichtig das die Kinder warm bleiben. Gerade bei längeren Touren haben wir sie immer dabei. 
  • Je nach Wetter und Weg sind für die Kinder Gamaschen hilfreich. Vor allem bei kleineren Kindern kann man so den Schuh von oben trocken halten (das gilt für Wasser, Regen, Schnee, Matsch, usw.).  
  • Wir haben je nach Tour auch Trekking Stöcke (größere Kinder) mit dabei. Vor allem bei den steilen Abstiegen sind Stöcke vorteilhaft.

Weitere Informationen kann man auf der Visit Noway Website finden und dieses Video ist wirklich gut:

What To Pack For Your Summer Hiking Trip

Weitere nützliche Informationen findet man auf der DNT Website oder bei Visit Norway

 


Allgemeines

Unser Eintrag ins Gästebuch
Unser Eintrag ins Gästebuch

In Teil 2 geht es um die Wandertouren die wir unternommen haben. Wichtig ist aber das es bei uns nicht nur ums Wandern geht sondern wir versuchen eine gute Mischung zu finden. Wir waren insgesamt drei Wochen in Norwegen und die erste in der Nähe von Ålesund an der Küste. Obwohl wir spazieren gingen (zum Teil auch länger) stand kein Wandern auf dem Programm. Es war unser zweiter Urlaub in Norwegen nach 2015 und wir werden wieder kommen. Wir alle sind vom Land und den Leuten fasziniert. Die unendliche Weite und schier unendlichen Möglichkeiten die Natur zu erleben haben es uns angetan. 

Laura hat unsere Erlebnisse in den Bergen ins Gästebuch eingetragen (Bild rechts). Neben den Ausflügen steht auch die Bäckerei in Lom sowie das Cafe in Gjendesheim auf der Liste. Ein Spaziergang durch Lom wurde nur vom Valdresflye gedopt. Diese Nationale Touristenstraße ist eine der schönsten die wir bisher gefahren sind. 

Wir haben bei unseren zwei Urlauben in Norwegen gelernt das eine schöne Unterkunft mit viel natürlichem Licht sowie einem Garten von Vorteil ist. Beim Aussuchen der Häuser auch die Bewertungen lesen denn die Bilder sind oft etwas angepasst. An der Küste braucht man viel Geduld den kurze Strecken brauchen lange (da man oft die Fjords entlang muß bzw. auf Fähren wartet). Man sollte sich nicht zuviel vornehmen.

Unten einfach noch ein paar Eindrücke der zwei Wochen in der Umgebung von Vågå.

Sollten wir das nächste Mal Platz im Auto finden dann kommt die Backpacking Ausrüstung mit denn in die Natur zu ziehen steht noch auf unserem Programm.